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MHM in der Presse

Zwischen armen Verhältnissen

12. Juni 2009 von Franz Havel, erschienen im
Online-Blog weddingkrass.wordpress.com

Gleichheit ist, wenn in Deutschland 90% aller Internetnutzer für die Suche des täglichen Onlineallerlei eine (nein: die) bekannte Suchmaschine benutzen.

Ungleichheit ist, wenn 70% der Deutschen Internet nutzen und 30% der Deutschen nicht.

Mit Gleichheit umzugehen ist einfach. Es bleibt nur zu sagen: So ist es. Mit Ungleichheit umzugehen ist oft schwieriger, denn was besagt eine Zahl wie 70%? (Sagt sie, das jene 30% das Internet durchschaut haben und deshalb darauf verzichten?)

Im Wedding ist Ungleichheit natürlich Alltag. Für jeden offenkundig ist, dass im Wedding die Armut im Vergleich zu anderen Stadtteilen hoch ist. Das zeigt schon ein Blick in oben (nicht) genannter Suchmaschine, die für das Schlagwort “Berlin Wedding” einen Link zur Seite Armutszeugnisse zeigt. Dem dort geschilderten subjektiven Eindruck stehen die Zahlen gegenüber, zum Beispiel die des Sozialstrukturatlas 2008. Er gibt für das Karree um Reinickendorfer Straße oder Soldiner Straße oder Brunnenstraße den Quotienten -2,2 an; sehr schlecht gegenüber Ortslage Krumme Lanke mit Quotioent +1,7. Zahlen liefert auch das Amt für Statistik Berlin Brandenburg. Es gibt an, dass in Berlin-Mitte (inklusive Tiergarten und Altmitte) 27,4% der Bevölkerung von Armut bedroht ist oder aber 21,6% der Bevölkerung. Je nach Vergleichsmaßstab kommt eine Abweichung zustande.


 
 

Armut ist eben nicht absolut, sondern ist per definition die im Vergleich festgestellte Ungleichheit. Was die Zahlen nicht sagen, ist die urteilende Bewertung. Manche Leute sagen vielleicht, offenbar sind die Menschen im Kiez selbst schuld, da die Suchmaschine als treffendstes Ergebnis für den ehemaligen berliner Bezirk Wedding den Link zum Zentralen Mahngericht ausweist. Und Jobs gibt es ja wohl auch genug. Andere Leute lassen sich von Schicksalen ergreifen, wollen nicht hinnehmen, was nun einmal so ist.

Die Weddinger Sabine und Horst Schmiele gehört zu letzteren. 2004 haben sie nach ihrer Mitarbeit bei der Berliner Tafel den als mildtätig anerkannten Verein Menschen helfen Menschen mitgegründet. Die tägliche Arbeit besteht in den Lebensmittelausgaben. Mit der kostenlosen Abgabe von gespendeten Lebensmitteln begann Menschen helfen Menschen; ganz klein am Anfang, mit der Herausgabe direkt vom Pritschenwagen hinab in die Hände der Abnehmer. Heute hat der Verein ein Büro (in der Koloniestraße 120), eine Kleiderkammer (in der Drontheimer Straße 21a) und weitere Standorte (zum Beispiel in der Welsestraße in Hohenschönhausen). Rund 45 Menschen mit Hilfe von Fördermaßnahmen und viele Ehrenamtliche sind im Verein tätig.

Neue Projekte kommen stetig hinzu. “Ranzen Tüte Los” bietet Kindern aus einkommensschwachen Familien einen ordentlichen Schulanfang – immerhin im Wert von rund 200 Euro. Gefüllte Schultüte, Schulmappe mit Ausstattung und ein kleines Geschenk. Für die meisten Berliner wohl eine selbstverständliche Mitgabe für den wichtigsten Tag ihrer Kleinkinder. Eltern, die Bedürftigkeit nachweisen, können für ihre Kinder, die 2009 eingeschult werden, einen vollständigen Schulstart ermöglichen (die Anmeldung erfolgt bis Ende Juli über das Büro des Vereins).

 

Mappi-Station ist ein neue Idee der Schmieles. In diesem Jahr startet das Projekt, bei dem sich Schüler bei Bedürftigkeit über das Jahr ihre Schulmappe immer wieder auffüllen können.

Neben Kindern, die meist wenig für die Situation können, in die sie hineingeboren werden, denken die engagierten Schmieles auch an Rentner, die an ihrer Situation Altersarmut nichts mehr ändern können. Im letzten Jahr veranstaltete der Verein den vorweihnachtlich fröhlichen Nachmittag.

Die Arbeit der Vereinsvorsitzenden Sabine Schmiele und des Geschäftsführers Horst Schmiele macht Armut öffentlich. Nicht nur bei den Sponsoren, die stetig geworben werden müssen. Auch im Kiez ist vielleicht nicht jeder begeistert, dass hier ein Projekt wächst, das ohne jede Beschönigung einfach nur Armut zum Thema hat.

Auch die beiden Vereinsmotoren Schmiele fragen sich selbst immer wieder nach dem Sinn ihrer Arbeit. Denn im Sozialstaat Deutschland braucht niemand so arm zu sein wie manche Menschen in anderen Staaten arm sind. Essensausgabe ist doch eigentlich nicht nötig. Aber Menschen sind nicht immer vernünftig; sie beantragen aus Stolz keine Sozialhilfe, kaufen für sich selbst ein Auto statt Obst für die Familie, stottern Schulden ab, statt Insolvenz zu beantragen, sind alkoholabhängig, aber geben es vor sich selbst nicht zu.

Für die Schmieles ist es die Hoffnung, dass das für Lebensmittel gesparte Geld, vielleicht an anderer Stelle Notlagen die Spitze stumpft; dass ein rundum ausgestatteter erster Schultag manchem Kind eine Chance im (durch PISA-Fehlinterpretation angestoßenen) Bildungswettlauf eröffnet, dass ein ausgelassener Nachmittag dem einen oder anderen Alten für einen Moment Lebensfreude schenkt.

Bescheidene Wünsche, die die Schmieles erfüllen, wenn man sie mit den Wünschen anderer Berliner vergleicht.


 
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  über die Aktion für mehr   Chancengleichheit in der   Schule.

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 Die MHM Aktion
  "Ranzen, Tüte, Los!"

  für ABC-Schützen in Not.

 

Ein Herz für Kinder unterstützt unser Projekt Mappi-Station

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